ICH BIN. Mensch.
Alles ist Bewusstsein, so auch wir Menschen. Wir haben nicht nur ein Bewusstsein, sondern wir sind Bewusstsein. Die Stimme in unserem Kopf ist nur der oberflächliche Teil, es geht sehr viel tiefer, in die Unendlichkeit, ohne dass der Verstand die Weite je begreifen könnte. Diese Weite in meiner Wahrnehmung zu erfassen, unsere göttlichen Eigenschaften in mein Selbstverständnis aufzunehmen und zu leben und die Liebe als die höchste Kraft anzuerkennen, das sind die Ziele, die ich auf meiner Reise verfolge.
Angefangen hat meine Reise in München, als ich als Sommerkind das Licht dieser Welt mal wieder erblickte. Ich bin als fröhliches Kind aufgewachsen und durfte doch recht bald die Herausforderungen des Lebens erfahren. Gesundheitliche und psychische Probleme meiner lieben Mutter. Beruflicher Erfolg, der vor den familiären Zusammenhalt gestellt wurde. Streit, der lange an der Tagesordnung stand und die anschließende Trennung der Eltern. Leistungszwang, der den Selbstwert bestimmt und später der Konsum, der einen so leicht die Schwierigkeiten dieser Welt vergessen lässt. Ich habe nach außen hin meine Fröhlichkeit nie aufgegeben, doch im Innern habe ich lange gekämpft, um mit den Erfahrungen umgehen zu können. Nach einigen Klinikaufenthalten meiner Mutter und einer Operation im Gesicht hat sie ein chronisches Schmerzsyndrom entwickelt. Über 6 Jahre konnten die Ärzte nicht feststellen, woher der Schmerz kommt, haben ihn einer psychischen Ursache zugeschrieben und sie mit Medikamenten aller Art ruhig gestellt. Durch eine Untersuchung bei einem Zahnarzt ist beiläufig der Ursprung der Schmerzen erkennbar geworden. Eine Zyste im Nasenbein, wobei sich die Entzündung auf die Gesichtsnerven ausgebreitet hat. Mittlerweile war ihr Körper über die Jahre so schwach geworden, dass noch viele andere Beschwerden hinzukamen. Auch die familiäre Situation mütterlicherseits war prekär. Zwei Jahre nach dem Tod meines Opas im Jahr 2014 starb mein Onkel und zwei Wochen danach meine Oma. Bis auf den Tod meines Opas waren es auch keine „schönen“ Tode, er durfte einfach umfallen und nach Hause gehen. Die anderen beiden hatten noch einen unschönen Leidensweg, der sich mit einigen Komplikationen über mehrere Wochen hinweg im gleichen Krankenhaus abgespielt hat. Meine liebe Mami begleitete trotz ihrer eigenen Herausforderungen den Prozess vor Ort und ich habe sie wiederum per Telefon, Tag für Tag, wieder aufgebaut. Zwei Jahre danach wurden meiner lieben Mami die körperlichen als auch die seelischen Leiden zu viel, und nach einer sehr langen Zeit der Abwägung hat sie sich dazu entschieden, dieses Leben auf eine würdevolle Art und Weise verlassen zu wollen. Ich habe an dem Tag oft mit ihr gesprochen und schlussendlich hat sie mit der Hilfe einer großen Menge an Medikamenten den Weg nach Hause angetreten. Ihre Liebe werde ich immer in mir tragen. *21.10.2018
Die letzten Jahre vor ihrem Tod haben mich dazu gebracht, nach etwas zu suchen, das mir Hoffnung und Halt gibt. Diese Suche hat mich an Themen herangeführt, die mein Verständnis der Welt grundlegend veränderten. Mir wurde bewusst, dass wir uns jede einzelne Erfahrung selbst erschaffen. Die Suche hat mich auf den Weg nach Innen geführt, der für mich zu einer Lebensweise geworden ist und der mich die Schönheit des Lebens auf eine tiefgründige Art neu erfahren lässt.
Der Tod meiner Mami hat sich zunächst wie eine Befreiung angefühlt, denn die Jahre zuvor befand ich mich in einem psychischen und emotionalen Ausnahmezustand. Beinahe jeden Tag wurde ich mit Leid, Schmerz und dem Wunsch meiner Mutter, sterben zu wollen, konfrontiert, ohne eine Möglichkeit zu sehen, wie ich ihr helfen kann. Als ich die Reise nach Innen begann, versuchte ich sie mitzunehmen und wir arbeiteten oft gemeinsam an inneren Themen, doch später musste ich akzeptieren, dass ich die Themen nicht für sie lösen kann, so gerne ich das auch wollte. Als sie dann verstarb, sah ich mich auf einmal mit mir selbst konfrontiert und es gab eine Zeit, speziell als kurz darauf die Beziehung mit meiner damaligen Freundin zu Ende ging, in der ich vollkommen zerstreut war. Ich hatte zwar eine Perspektive, wusste, wie ich mit den verschiedenen Herausforderungen umgehen kann, doch alles war so ungreifbar.
Ich schwebte im Nichts und hatte den Halt verloren. Erst als ich ein fünftägiges Meditationsseminar in einem Zen-Kloster besuchte, fingen die Dinge an, sich zu fügen. Zum ersten Mal habe ich bewusst das Nichts in mir wahrgenommen, kein Gedanke, keine Emotion, einfach sein. Ein Zustand, den ich davor noch nie erfahren habe. Er gab mir Kraft und das Vertrauen, dass mir nichts passieren kann und ich früher oder später meine Herausforderungen meistern werde.
Eine lange Zeit habe ich mich mit dieser Leidensgeschichte identifiziert. Ich war diese Geschichte und mir dabei nicht bewusst, wie sehr ich mich damit in dem Schmerz dieser Erfahrungen halte. Erst mit der Zeit habe ich realisiert, dass ich weit mehr bin als die Erfahrungen, die ich in diesem Leben gemacht habe. Es ist ein Prozess und auch jetzt, über 6 Jahre später, bin ich noch damit beschäftigt, mich von den unbewussten Glaubenssätzen, Verhaltensmustern und Gefühlen zu lösen, die mit dieser Geschichte verbunden sind. Für mich liegt der Schlüssel in der Dankbarkeit und dem Zugang zu meinem Innersten, der Bewusstheit, dem ICH BIN, das mich auf der Reise zu mir selbst führt.
Schon seit einiger Zeit trage ich den tiefen Wunsch in mir, gewisse Wahrheiten, die ich auf meiner Reise erfahren habe, in die Welt hinauszutragen. Dabei habe ich mich oft gefragt, was mir die Fähigkeit gibt, so etwas zu tun. Ich habe keine Zertifikate, die ich vorzeigen kann und die mich „berechtigen“ etwas zu vermitteln. Die Grundausbildung war und ist das Leben selbst. Die innere Wahrheit, die keiner Worte bedarf, beinhaltet alles Weitere. Mit einem offenen Geist können wir darauf zugreifen und erfahren Führung von der Bewusstheit, die ICH BIN. Angetrieben von der Liebe und dem Wunsch, mich stetig weiterzuentwickeln, gehe ich durch das Leben und möchte alle, die es möchten, daran teilhaben lassen.
Das Jahr 2020 war für mich entscheidend. Zuvor war meine Perspektive geprägt von Karriere, Status, Geld und dem, was ich mir dadurch versprochen habe – ein glückliches und erfülltes Leben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die spirituelle Ebene unserer Existenz bereits zu einem Teil erforscht, doch es war vordergründig aus der Notwendigkeit heraus, mit meinem Leben klarkommen zu müssen und auch als Werkzeug, um meine Karriereziele zu erreichen. Erst als ich anfing zu begreifen, dass wir uns als Menschheit gerade mitten in einer tiefgreifenden Transformation befinden, deren Ausmaß unsere Vorstellungskraft bei Weitem übersteigt, überdachte ich meine Motivation und die Werte, welche dieser zugrunde liegen. Geld wurde auf einmal nebensächlich. Die angestrebte Karriere und der damit verbundene gesellschaftliche Status entlarvten sich als ein unbewusstes Programm, worüber ich mir einen höheren Selbstwert, Anerkennung und schlussendlich Liebe erhoffte. Die ganzen Äußerlichkeiten, nach denen wir uns nur allzu gerne gegenseitig bewerten, wurden plötzlich uninteressant. Ich begriff, dass es in dieser Welt um weit mehr geht als die angestrebte, zukünftige Realität, über die ich mich lange identifiziert habe und die mir zeitweise Halt und Hoffnung gegeben hat. Da wuchs die Erkenntnis – Alles ist eine Illusion. Wir glauben, die Wirklichkeit spielt sich da draußen ab und erkennen nicht, dass die einzig wahre Wirklichkeit in unserem Inneren zu finden ist. Alles, was wir im Außen sehen, ist nur eine Spiegelung von dem, was wir an Überzeugungen und Glaubenssätzen in uns tragen. Wir versuchen, ein beständiges Leben aufzubauen, suchen nach Sicherheit im Finanziellen oder nach Geborgenheit in Beziehungen. Wir haben Angst, etwas Wichtiges zu verlieren, eines Tages nicht mehr zu sein und tun uns schwer, die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren. Wir suchen nach einer Konstante, die nicht vergeht und die unsere Sehnsucht nach Beständigkeit befriedigt. Doch solange wir uns nur auf die Äußerlichkeiten des Daseins konzentrieren, werden wir die Sehnsucht nie endgültig befriedigen können, denn alles im Außen ist vergänglich. Die einzige Konstante im Außen ist die Veränderung. Wenn wir anfangen, die Wirklichkeit in unserem Inneren zu erkennen, erfahren wir die uns innewohnende Macht und erkennen den Ursprung unseres Daseins. Nur dort, tief im Innern, in der Stille, im Nichts, können wir unsere Sehnsucht nach Einheit, Geborgenheit und Beständigkeit in einer Vollkommenheit befriedigen, die das äußere Leben nicht zu bieten hat.
Mein gesamtes Selbstverständnis wurde auf den Kopf gestellt und mein bisher angestrebtes Leben war nicht länger das, was ich mir wünsche. Daraufhin traf ich die Entscheidung, mein Studium vorzeitig zu beenden und eine sichere Stelle als Personalleiter bei einem mittelständischen IT-Dienstleister abzulehnen. Das war ein großer Schritt für mich, doch dadurch hatte ich nun die Zeit und Aufmerksamkeit, um mich den Dingen zu widmen, mit denen ich mein Leben fortan füllen möchte. Ab diesem Zeitpunkt begann für mich eine neue Reise, und die ersten Jahre waren ziemlich herausfordernd. Ich habe mich zeitweilig von den Äußerlichkeiten des Lebens zurückgezogen und tat nur so viel, dass ich davon leben konnte. In meinem Inneren fand ein starker Konflikt statt. Die Zukunftsperspektive, die mir davor ein Gefühl von Sicherheit und einem positiven Selbstwert gegeben hat, verschwand und der Weg, den ich eingeschlagen habe, war bisher nur eine grobe Vision, in die ich erst noch hineinwachsen durfte. Ich hatte das Gefühl stillzustehen und das nagte stark an meinem Selbstwert. Schon seit meiner Kindheit unterlag ich einem Leistungsdruck, denn je nach Leistung bekam ich Liebe und fing an, mich selbst darüber zu bewerten. Ein Muster, das in unserer Gesellschaft sehr weitverbreitet ist. Doch die Zeit des „Stillstands“ ist sehr wertvoll und war notwendig, um unbewusste Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen. Es ist die Angst im Hintergrund, die mir sagte, dass ich nur wertvoll bin, wenn ich etwas leiste, nur dann geliebt werde und gut bin. Ich befand mich in einem Überlebensmodus, konnte nicht zufrieden sein mit dem, was ist, fühlte mich vom Leben getrieben und jagte etwas hinterher, wovon ich mir Erfüllung versprach. Erst nachdem ich erkannt hatte, dass ich alles in mir trage, konnte ich mich aus der Angst befreien und mich der allumfassenden Liebe hingeben. Es ist der Wechsel vom Überlebensmodus in den Schöpfermodus. Im Überlebensmodus entspringt die Motivation dem Bestreben, einen Mangel beseitigen zu wollen. Im Schöpfermodus sind wir mit unserem Wesenskern verbunden und handeln aus der Begeisterung und Liebe dem Leben und uns selbst gegenüber. Wir folgen dem Herzen und bringen die Schönheit zum Ausdruck, die jeder Mensch auf seine individuelle Art und Weise verkörpert.
Meine Reise birgt noch so einige Herausforderungen in sich, doch ich habe aufgehört, nach einem Ende zu suchen. Am Ziel befinden wir uns immer nur für kurze Zeit, bevor es zum Nächsten weitergeht. Doch genau das ist der springende Punkt. Erst wenn der Weg zur Erfüllung wird, hören wir auf, endlich an einem anderen Punkt ankommen zu wollen, als dort, wo wir gerade sind. Ich glaube, ich werde mich nie zufriedengeben und immer nach Entwicklung und Fortschritt streben, doch ich bin jetzt in Frieden mit mir selbst und dem, was ist. Zumindest habe ich eine innere Haltung eingenommen, die nach jeder erfolgreichen Konfrontation mit meinen inneren Widerständen gestärkt wird.
Die Liebe ist der Schlüssel zu einer Schatztruhe, die alle Schätze des Lebens in sich trägt. Lernen wir bedingungslos zu lieben, uns selbst ebenso wie unsere Mitmenschen, dann steht uns der Inhalt dieser Schatztruhe jederzeit zur Verfügung. Trennung existiert nur in unseren Köpfen, im Herzen sind wir alle eins.
Ich danke vielmals für deine Aufmerksamkeit. Ich hoffe, ich konnte dich mit meinen Worten berühren und vielleicht sogar dazu inspirieren, deine Reise nach ins Innere anzutreten. DU bist ein Wunder und es ist schön, dass es dich gibt. Vertraue auf das Leben und schenke deinem Umfeld dein schönstes Lächeln. Du wirst dafür belohnt, glaube mir.
In Liebe und Dankbarkeit
Lukas Maximilian Schmitt